Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer will Biokraftstoffe steuerlich entlasten, im Idealfall vollständig. Auf den ersten Blick klingt das pragmatisch: Die Landwirtschaft braucht flüssige Kraftstoffe. Traktoren, Mähdrescher, Häcksler und Forstmaschinen lassen sich nicht kurzfristig elektrifizieren. Wer Klimaschutz im Agrarsektor ernst nimmt, muss deshalb über erneuerbare Dieselkraftstoffe sprechen.

Problematisch ist jedoch, dass Rainer pauschal von „Biokraftstoffen“ spricht. Damit wirft er sehr unterschiedliche Produkte in einen Topf: Biodiesel, Pflanzenölkraftstoff, Bioethanol und HVO. Diese Kraftstoffe unterscheiden sich fundamental bei Rohstoffen, Motoreignung, Klimawirkung und Schadstoffemissionen. Genau diese Unschärfe befeuert erneut die alte Tank-oder-Teller-Debatte.

Denn Biodiesel und Pflanzenölkraftstoff stehen, sofern sie aus Anbaubiomasse wie Raps hergestellt werden, mitten in der Flächenkonkurrenz. Ackerfläche ist endlich. Sie wird für Lebensmittel, Futtermittel, Naturschutz, Energiepflanzen, Photovoltaik und Klimaanpassung gebraucht. Wenn der Staat Kraftstoffe steuerlich privilegiert, die auf landwirtschaftlich erzeugten Rohstoffen beruhen, stellt sich zwangsläufig die Frage: Soll der Acker Menschen ernähren — oder Maschinen betanken?

Auch technisch sind Biodiesel und Pflanzenöl keine einfache Lösung. Biodiesel ist FAME und als Beimischung im normalen Diesel etabliert. B7 ist unproblematisch, weil der Biodieselanteil begrenzt ist. Als Reinkraftstoff oder in hohen Beimischungen ist FAME jedoch nur für entsprechend freigegebene Motoren geeignet. Moderne Dieselmotoren mit Common-Rail-Einspritzung, Dieselpartikelfilter, Abgasrückführung und SCR-Katalysator sind empfindliche Systeme. Sie sind nicht dafür konstruiert, beliebige Kraftstoffe zu verbrennen.

Noch deutlicher gilt das für Pflanzenölkraftstoff. Reines Rapsöl ist kein moderner Drop-in-Diesel. Es benötigt angepasste Motoren oder spezielle Umrüstungen. Viskosität, Kälteverhalten, Einspritzbild und Verbrennung unterscheiden sich erheblich von Diesel. Als breit einsetzbare Lösung für den heutigen landwirtschaftlichen Maschinenpark taugt Pflanzenöl daher nicht.

Die überzeugendere Antwort heißt HVO. HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil und ist kein klassischer Biodiesel, sondern ein paraffinischer Dieselkraftstoff nach DIN EN 15940. HVO ist dem fossilen Diesel in seinen Nutzungseigenschaften deutlich näher als FAME oder Pflanzenöl. In vielen modernen Dieselmotoren kann HVO100 eingesetzt werden, sofern der Hersteller den Kraftstoff freigegeben hat. Genau das macht ihn für die Landwirtschaft interessant: Der bestehende Maschinenpark kann klimafreundlicher betrieben werden, ohne sofort neue Fahrzeuge, neue Infrastruktur oder neue Betriebsabläufe zu benötigen.

Hinzu kommt ein Vorteil, der in der Debatte viel zu kurz kommt: HVO verbrennt schadstoffärmer. Es enthält praktisch keine Aromaten und kaum Schwefel, besitzt eine hohe Cetanzahl und kann dadurch Ruß, Partikel, Kohlenwasserstoffe und Kohlenmonoxid deutlich reduzieren. Besonders relevant ist das bei älteren landwirtschaftlichen Maschinen ohne moderne Abgasnachbehandlung. Auf Höfen, in Ställenähe, im Forst oder bei Erntearbeiten geht es nicht nur um CO₂-Bilanzen, sondern auch um die Luft, die Fahrer, Beschäftigte, Tiere und Anwohner unmittelbar einatmen.

Deshalb ist HVO nicht nur ein Klimaschutzinstrument, sondern auch ein Beitrag zu Arbeitsschutz und lokaler Luftreinhaltung. Gerade dort, wo Dieselmaschinen noch lange im Einsatz bleiben werden, kann ein sauberer paraffinischer Kraftstoff sofort Wirkung entfalten.

Diese Debatte berührt zugleich die Heizungsfrage. In meinem Artikel „Die blockierte Abkürzung zum Klimaschutz“ habe ich bereits beschrieben, dass erneuerbare flüssige Energieträger eine pragmatische Brücke für den Gebäudebestand sein können. Der Gedanke ist derselbe wie in der Landwirtschaft: Der schnellste Weg zu weniger Emissionen ist nicht immer der sofortige Austausch funktionierender Technik. Gerade dort, wo ein kompletter Systemwechsel technisch, finanziell oder organisatorisch schwierig ist, kann der bessere Energieträger schneller wirken als die perfekte Ideallösung.

Was für Traktoren, Forstmaschinen und kommunale Dieselfahrzeuge gilt, gilt im Grundsatz auch für Ölheizungen. Wenn ein erneuerbarer flüssiger Brennstoff fossiles Heizöl teilweise ersetzen kann, entsteht eine Abkürzung zum Klimaschutz — ohne sofortige Stilllegung, ohne soziale Überforderung und ohne politischen Kulturkampf um jede Heizung im Keller. Das ersetzt nicht Wärmepumpen, Gebäudesanierung oder Wärmenetze. Aber es ergänzt sie dort, wo der schnelle Umbau nicht realistisch ist.

Gerade deshalb sollte die Diskussion über HVO nicht künstlich auf Agrardiesel verengt werden. HVO zeigt, dass Klimaschutz im Bestand möglich ist: bei Maschinen, Motoren und Heizsystemen, die noch lange vorhanden sein werden. Wer diese Option ignoriert, macht Klimapolitik unnötig teurer, langsamer und konfliktträchtiger.

Minister Rainer hat also recht, wenn er sagt: Ohne Kraftstoff fährt kein Traktor. Aber daraus folgt nicht, dass jeder Biokraftstoff steuerlich belohnt werden sollte. Eine moderne Förderung muss unterscheiden: zwischen problematischen Kraftstoffen aus Anbaubiomasse und technisch hochwertigen erneuerbaren Dieselkraftstoffen; zwischen nostalgischer Biokraftstoffpolitik und praxistauglicher Dekarbonisierung.

Die Steuerentlastung sollte deshalb nicht pauschal für „Biokraftstoffe“ gelten, sondern gezielt für HVO100 und vergleichbare hochwertige paraffinische Kraft- und Brennstoffe. Das wäre technologieoffen im besten Sinne: nicht beliebig, sondern anspruchsvoll. HVO verbindet hohe CO₂-Minderung, breite technische Kompatibilität und geringere lokale Schadstoffemissionen.

Wer diese Unterschiede verwischt, holt die Tank-oder-Teller-Debatte zurück. Wer sie klar benennt, kann Klimaschutz, Luftreinhaltung, Landwirtschaftspraxis und die Entschärfung der Heizungsdebatte miteinander verbinden.

HVO ist damit nicht nur ein besserer Agrardiesel. Es ist der Beweis, dass Klimaschutz auch über intelligente Energieträger gelingen kann — ohne jeden Motor, jede Maschine und jede Heizung sofort zum politischen Problemfall zu erklären.

HVO statt Biokraftstoff-Romantik

Rainers Vorstoß zur Steuerfreiheit für Biokraftstoffe klingt nach Klimaschutz — doch wer Biodiesel, Pflanzenöl und HVO in einen Topf wirft, holt die Tank-oder-Teller-Debatte zurück. Die bessere Antwort heißt: HVO als sauberer Brückenkraftstoff für Landwirtschaft, Bestandstechnik und Heizungsdebatte.

Von Christian Elvers

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten führen erneut vor Augen, wie fragil Energiemärkte sind. Steigende Preise für Öl und Gas treffen Wirtschaft und Verbraucher unmittelbar. In Deutschland fällt diese Entwicklung in eine Phase tiefgreifender Transformation – und verstärkt eine Sorge, die längst in den Chefetagen angekommen ist: die schleichende Deindustrialisierung eines Standorts, der sich seine Energie zunehmend nicht mehr leisten kann.

Denn die Zahlen sind eindeutig. Deutschland gehört zu den Hochpreisstandorten für Strom. Für Haushalte liegen die Preise bei 30 bis 40 Cent pro Kilowattstunde, die Industrie zahlt – trotz staatlicher Entlastungen – vielfach ein Vielfaches dessen, was Wettbewerber in den USA oder Asien aufbringen müssen. Gleichzeitig steigen die systemischen Kosten weiter: Der Netzausbau wird auf mehr als 500 Milliarden Euro geschätzt, jährlich fallen Milliardenbeträge für Eingriffe zur Stabilisierung des Stromnetzes an.

Diese Entwicklung ist kein Übergangsproblem. Sie ist systembedingt.

Der Ausbau erneuerbarer Energien folgt einem politischen Zielbild, aber keiner stabilen Systemlogik. Wind und Sonne liefern Energie nicht dann, wenn sie gebraucht wird, sondern wenn sie verfügbar ist. Die Folge ist ein Stromsystem, das permanent ausbalanciert werden muss – technisch anspruchsvoll und ökonomisch teuer. 2023 kam es in Deutschland an mehr als 300 Stunden zu negativen Strompreisen, während in Mangelsituationen teure Ausgleichsenergie beschafft werden musste.

Der zentrale Engpass bleibt jedoch ungelöst: die Speicherung.

Der tägliche Strombedarf Deutschlands liegt bei rund 1,5 bis 2 Terawattstunden. Um eine einzige windstille Winternacht zu überbrücken, wären Speicherkapazitäten erforderlich, die um Größenordnungen über dem liegen, was heute verfügbar ist. Selbst optimistische Kostenschätzungen für Batteriespeicher führen zu Investitionsvolumina im Bereich von mehreren hundert Milliarden Euro – für wenige Stunden Versorgungssicherheit. Eine Absicherung über Tage oder Wochen hinweg würde Kosten in der Größenordnung von Billionenbeträgen nach sich ziehen.

Mit anderen Worten: Die Idee eines vollständig elektrisch abgesicherten Energiesystems scheitert derzeit weniger an der Technologie als an der ökonomischen Realität.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Analyse von Wolfgang Reitzle besonders pointiert. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 26. April 2026 vergleicht er das Energiesystem mit einer Fabrik, „von der niemand weiß, wann sie wie viel produziert“. Es fehlt an einer verlässlichen Output-Logik – und damit an der Grundlage für industrielle Planung.

Sein Vorwurf trifft den Kern: Die Energiewende folgt ambitionierten Zielbildern, aber keiner konsistenten Systemarchitektur. Hohe Preise, zunehmende Komplexität und fehlende Prioritätensetzung sind die Folge.

Reitzles Forderung nach Technologieoffenheit ist daher keine ideologische Gegenposition, sondern eine systemische Notwendigkeit. Ein belastbares Energiesystem braucht Diversität. Sein Vorschlag eines ausgewogenen Verhältnisses von erneuerbaren Energien und grundlastfähigen Kapazitäten verweist auf das eigentliche Ziel: Verlässlichkeit zu vertretbaren Kosten.

Auch sein Hinweis, den Ausbau der Erneuerbaren vorübergehend zu stabilisieren, bis Netze, Speicher und industrielle Prozesse nachgezogen haben, ist weniger Rückschritt als Ausdruck eines systemischen Denkens, das derzeit weitgehend fehlt.

Hinzu kommt ein weiterer blinder Fleck: die Resilienz. Industrieländer sichern ihre Energieversorgung traditionell durch strategische Reserven über Wochen hinweg. Für ein weitgehend elektrisches System existiert bislang kein überzeugendes Konzept, wie eine vergleichbare Absicherung aussehen soll.

Damit wird ein grundlegender Widerspruch sichtbar. Ein System, das zu den teuersten weltweit zählt, zugleich aber weder bei Versorgungssicherheit noch bei den Emissionen zur Spitzengruppe gehört, bleibt hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück. Mit rund 350 bis 400 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde liegt Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin im hinteren Feld.

Die Konsequenz daraus ist klar: Ein „Weiter so“ führt tiefer in ein System, dessen Kosten steigen, während seine Leistungsfähigkeit hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Die Energiewende ist kein Ausbauprojekt, sondern eine Systemaufgabe. Wer sie erfolgreich gestalten will, muss sich von einseitigen Zielbildern lösen und zu einer Strategie finden, die Physik, Kosten und Versorgungssicherheit gleichermaßen ernst nimmt.

Andernfalls droht sie, von einem Transformationsprojekt zu einem strukturellen Standortnachteil zu werden.

Die Energiewende am Abgrund

Von Christian Elvers

Ein teures System ohne stabile Grundlage: Volatilität, Speicherdefizite und steigende Kosten gefährden Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.

Von Christian Elvers

Von Christian Elvers

Es ist ein vertrautes Muster der deutschen Politik: Man errichtet Begriffe wie Bollwerke, versieht sie mit moralischer Wucht – und hofft, dass sie der Realität standhalten. „Brandmauer“ ist ein solcher Begriff. Er klingt nach Klarheit, nach Entschlossenheit, nach Schutz. Doch bei nüchterner Betrachtung ist er vor allem eines: eine politische Illusion – und nicht selten auch ein Ausdruck von Heuchelei.

Wenn ausgerechnet Wolfgang Kubicki diesen Begriff infrage stellt, dann geschieht das nicht aus bloßer Lust an der Provokation. Als profilierter Kopf der FDP weiß er, dass politische Auseinandersetzung nicht durch Abgrenzungsrhetorik ersetzt werden kann.

Ein Blick auf die SPD zeigt, wie tief das Problem reicht. Gerade dort ist die Abwanderung von Wählern zur Alternative für Deutschland seit Jahren spürbar. Eine Entwicklung, die politisch brisant ist – und über die dennoch erstaunlich selten offen gesprochen wird.

Stattdessen dominiert eine andere Reaktion: moralische Etikettierung. Wer die AfD wählt, wird pauschal in eine Ecke gestellt, die jede Differenzierung unmöglich macht. Das mag kurzfristig das eigene Selbstbild stabilisieren. Politisch jedoch ist es fatal.

Denn wer Millionen Wählerinnen und Wähler pauschal abstempelt, verliert nicht nur den Zugang zu ihnen – er treibt sie weiter weg.

Das bedeutet nicht, dass es keine klaren Grenzen geben sollte. Figuren wie Björn Höcke stehen für Positionen und ein Auftreten, das in einer liberalen Demokratie zu Recht auf entschiedenen Widerspruch stößt. Doch gerade hier zeigt sich die Schwäche der Brandmauer-Logik.

Denn sie erzeugt einen paradoxen Effekt: Sie stärkt genau jene, die sie schwächen soll.

Wer sich dauerhaft ausgegrenzt sieht, kann sich in dieser Rolle einrichten. Die Brandmauer wird dann nicht mehr als Barriere wahrgenommen, sondern als Schutzschild – als Beleg dafür, „nicht gehört zu werden“, als Bestätigung des eigenen Narrativs. Radikale Akteure profitieren davon, weil sie sich hinter dieser Inszenierung verschanzen können.

Die politische Auseinandersetzung wird so ersetzt durch symbolische Distanz. Und genau das ist das Problem.

Eine Demokratie muss mehr leisten. Sie muss widersprechen, entlarven, argumentieren. Sie muss Unterschiede benennen, ohne pauschal zu verurteilen. Und sie muss vor allem eines tun: die eigenen Versäumnisse ernst nehmen.

Denn die Abwanderung von Wählern ist kein Zufall. Sie ist ein Symptom.

Wer sie ignoriert oder moralisch überhöht, wird sie nicht aufhalten. Im Gegenteil: Er verstärkt sie. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die AfD politisch zu stellen – nicht durch Ausgrenzung allein, sondern durch inhaltliche Auseinandersetzung. Durch das Offenlegen von Widersprüchen, durch konkrete Politik, durch Glaubwürdigkeit.

Ein Verbot der Partei würde daran nichts ändern. Im Gegenteil: Es wäre, wie viele Juristen warnen, ein riskanter Schritt mit ungewissem Ausgang – und im Falle des Scheiterns eine massive Aufwertung für genau jene Kräfte, die man eindämmen will.

Die Brandmauer mag gut gemeint sein. Doch sie ersetzt keine Strategie.

Und vielleicht ist es genau das, was viele nicht wahrhaben wollen: Dass politische Probleme sich nicht wegmoralisierten lassen. Sondern nur durch eine Auseinandersetzung, die unbequem ist – aber notwendig.

Die Illusion

der Brandmauer

Von Christian Elvers

Kubicki hat recht: Wie politische Heuchelei die Falschen stärkt

Von Christian Elvers

Von Christian Elvers

Die Angst vor dem Blackout hat Konjunktur. Kaum eine energiepolitische Debatte kommt derzeit ohne den Verweis auf fehlende Gaskraftwerke, Dunkelflauten und eine angeblich wackelnde Versorgung aus. Die Reflexe sind bekannt: Die einen beschwichtigen, die anderen warnen eindringlich.

Beide liegen nur halb richtig. Denn die Wahrheit ist unbequemer. Ein flächendeckender, langanhaltender Blackout ist in Deutschland – auch im Rhein-Main-Gebiet – derzeit unwahrscheinlich. Aber er ist eben nicht ausgeschlossen. Und vor allem: Die Verwundbarkeit unseres Systems wächst schneller als unsere Vorbereitung darauf.

Die stille Verschiebung des Risikos

Deutschland elektrifiziert sich mit hohem Tempo. Autos fahren künftig elektrisch, Heizungen werden durch Wärmepumpen ersetzt, industrielle Prozesse auf Strom umgestellt. Das ist klimapolitisch sinnvoll – aber systemisch anspruchsvoll. Denn mit jeder zusätzlichen Kilowattstunde steigt nicht nur der Bedarf. Es wächst auch die Abhängigkeit. Was früher ein Ärgernis war, kann morgen existenziell werden. Fällt der Strom aus, steht nicht mehr nur die Waschmaschine still. Dann funktionieren Verkehr, Kommunikation, medizinische Versorgung und Teile der öffentlichen Ordnung nur noch eingeschränkt – oder gar nicht mehr. Das Risiko verschiebt sich. Nicht unbedingt in der Eintrittswahrscheinlichkeit. Aber massiv in der Schadenshöhe.

Ein System unter Druck

Gleichzeitig gerät die Architektur der Stromversorgung ins Ungleichgewicht. Gesicherte Leistung verschwindet schneller, als neue entsteht. Speicher sind politisch gewollt, aber praktisch noch nicht in ausreichendem Maß vorhanden. Und der Netzausbau bleibt ein Geduldsspiel. Hinzu kommt ein Faktor, der in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt wird: die Kosten. Netzausbau, Redispatch, Reservekapazitäten, CO₂-Bepreisung – all das treibt die Preise. Nicht die einzelne Kilowattstunde wird zum Problem, sondern das System als Ganzes. Für Industrie und Mittelstand ist das längst mehr als eine Randnotiz. Die Energiewende wird damit nicht nur zur ökologischen, sondern auch zur ökonomischen Bewährungsprobe.

Rhein-Main: Ein Hotspot der Verwundbarkeit

Im Rhein-Main-Gebiet verdichten sich diese Entwicklungen. Frankfurt ist nicht nur Finanzzentrum, sondern einer der wichtigsten digitalen Knotenpunkte Europas. Rund um den Internetknoten DE-CIX entstehen in rasantem Tempo neue Rechenzentren. Diese Infrastruktur ist das Rückgrat einer digitalisierten Gesellschaft. Gleichzeitig ist sie extrem stromabhängig. Und sie bringt ein Paradox hervor.

Die übersehene Reserve

Denn was viele nicht wissen: Rechenzentren verfügen bereits heute über massive Notstromkapazitäten. Dieselgeneratoren im zweistelligen oder gar dreistelligen Megawattbereich sind keine Ausnahme, sondern Standard. Sie sichern die Versorgung im Ernstfall – oft für mehrere Tage. In Summe handelt es sich um eine gewaltige installierte Leistung. Mitten in einer Region, die für Stabilität besonders kritisch ist. Und doch bleibt sie ungenutzt. Während über fehlende Kraftwerke diskutiert wird, stehen diese Kapazitäten still. Nicht aus technischen Gründen. Sondern aus regulatorischen, wirtschaftlichen und mentalen.

Zwischen Sicherheitsdenken und Systemlogik

Die Betreiber von Rechenzentren handeln rational. Für sie gilt ein Prinzip: maximale Versorgungssicherheit. Jede zusätzliche Komplexität, jede Netzkopplung, jedes Experiment wird kritisch betrachtet. Hinzu kommen regulatorische Hürden. Notstromanlagen sind nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt oder genehmigt. Emissionsfragen – insbesondere bei Diesel – begrenzen die Einsatzmöglichkeiten zusätzlich. Und schließlich fehlen oft die wirtschaftlichen Anreize. Wer keine klare Vergütung für netzdienliches Verhalten erhält, wird kaum investieren. Das Ergebnis ist ein klassischer Zielkonflikt: Was für den Einzelnen sinnvoll ist, bleibt für das System ungenutzt.

Der pragmatische Weg mit HVO

Dabei liegt die Lösung zumindest teilweise auf der Hand. Bestehende Notstromkapazitäten könnten netzdienlich gemacht werden – als flexible Reserve, nicht als Dauerlösung. Technisch ist das möglich. Wirtschaftlich wäre es oft darstellbar. Noch interessanter wird der Ansatz durch den Einsatz klimafreundlicher Kraftstoffe wie HVO. Sie ermöglichen eine deutliche Reduktion der Emissionen, ohne die bestehende Infrastruktur grundlegend zu verändern. Das ersetzt keine neuen Kraftwerke. Und es löst nicht das strukturelle Problem der Energieversorgung. Aber es schafft etwas, das derzeit fehlt: schnell verfügbare, dezentrale Resilienz.

Die falsche Debatte

Die eigentliche Schwäche der aktuellen Diskussion liegt deshalb woanders. Sie kreist zu stark um die Frage, ob ein Blackout droht. Das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wie gut sind wir vorbereitet, wenn es passiert? Denn in einem zunehmend elektrifizierten System wird es nicht mehr nur darum gehen, Ausfälle zu verhindern. Sondern ihre Folgen zu begrenzen. Für kritische Infrastrukturen – von Polizei und Feuerwehr über Mobilfunk und Gesundheitswesen bis hin zur Wasser- und Abwasserversorgung – ist das keine theoretische Überlegung. Sondern eine operative Notwendigkeit.

Schlussfolgerung

Das Risiko eines Blackouts ist nicht hoch genug, um Panik zu rechtfertigen. Aber es ist hoch genug, um Untätigkeit zu verbieten. Deutschland muss nicht nur neue Kapazitäten schaffen. Es muss endlich die nutzen, die längst existieren. Gerade im Rhein-Main-Gebiet wäre das ein naheliegender Schritt. Nicht der Blackout ist das Problem. Sondern unsere mangelnde Vorbereitung darauf.

Blackout - Risiko:

Ein System am Limit

Von Christian Elvers

Während Deutschland über neue Kraftwerke streitet, wachsen Strombedarf, Kosten und Verwundbarkeit. Ein Blick ins Rhein-Main-Gebiet zeigt: Lösungen gäbe es längst

Von Christian Elvers

Das Automobil musste sich schon oft neu erfinden. Vom Luxusgut zum Massenprodukt, vom Statussymbol zum Technologie-Träger. Und jetzt? Jetzt steht mehr auf dem Spiel als nur der nächste Antrieb. Es geht um die Frage, ob dieses Produkt auch in Zukunft noch eine Berechtigung hat.


Die Antwort beginnt dort, wo bisher das Ende war. Früher begann ein Auto mit der Produktion – und endete auf dem Schrottplatz. Dazwischen lag ein Leben, danach kam der Schredder. Grob zerlegt, getrennt, verwertet. Ein lineares System für eine lineare Industrie.

Heute entsteht etwas anderes. Leiser, technischer, anspruchsvoller. BMW und PreZero – der Umweltdienstleister der Schwarz-Gruppe hinter Lidl und Kaufland – arbeiten an einer Idee, die sperrig klingt, aber weit reicht: Kreislaufwirtschaft für das Automobil. Keine Imagekampagne, sondern Infrastruktur.

Der Kern trägt einen fast schon programmatischen Namen: Reverse Factory. Keine Fabrik, die Autos baut – sondern eine, die sie wieder auseinander nimmt. Systematisch, teilautomatisiert, präzise. Nicht mehr schreddern, sondern verstehen. Nicht mehr zerstören, sondern zurückführen. Denn in einem Altfahrzeug steckt mehr Zukunft als man denkt: Stahl, Aluminium, Kunststoffe, Batteriematerialien – Rohstoffe, die zu wertvoll geworden sind, um sie nur einmal zu nutzen.

Die Rollen sind klar verteilt. BMW bringt das Wissen über das eigene Produkt ein: Wie ein Fahrzeug konstruiert ist, wie es sich zerlegen lässt, wie „Design for Recycling“ künftig schon in der Entwicklung mitgedacht wird. PreZero liefert die andere Hälfte: Sortiertechnologie, Stoffstromlogistik, industrielle Realität. Das große Ganze, das aus Teilen wieder Materialien macht.

Neue BMW-Welt:

Die Zukunft im Kreislauf

Von Christian Elvers

Das Ziel ist ebenso nüchtern wie radikal: Zugriff auf Sekundärrohstoffe, unabhängigere Lieferketten, weniger CO₂ in der Produktion. Nicht aus Idealismus – sondern aus Notwendigkeit.

Und doch bleibt ein Rest Skepsis. Wer einmal das Armaturenbrett eines BMW E30 gesehen hat – nach fast 30 Jahren völlig unbeeindruckt von Sonne, Zeit und Nutzung – der fragt sich zwangsläufig: Wird recycelter Kunststoff jemals wieder so gut? So langlebig? So… endgültig?

Genau hier entscheidet sich, ob diese Transformation trägt. Recycling im Automobil bedeutet nicht, Material irgendwie wiederzuverwenden. Es bedeutet, Qualität neu zu definieren – ohne Abstriche. Vergangenheit darf präsent sein, aber nicht sicht- oder spürbar. Nochmals: Hier erfindet sich das Automobil ein Stück weit neu – nicht über den Antrieb, sondern über seine Substanz. Aus einem Produkt wird ein Kreislauf. Aus einem Ende ein neuer Anfang. In einer Zeit, in der seine Daseinsberechtigung immer wieder hinterfragt wird, sichert es sich genau darüber seine Zukunft.

BMW geht hier beispielhaft voran. Nicht als Einziger – aber als einer der Ersten, die das Thema nicht als Pflichtübung behandeln, sondern als strategischen Kern. Vielleicht ist das die eigentliche Qualität dieser neuen Welt: Dass Fortschritt nicht mehr darin besteht, immer nur Neues zu schaffen – sondern Bestehendes klüger weiterzuführen.

Und während früher die Marke ihre Geschichte erzählte, beginnt sie jetzt, sie zu verbauen. Nicht nur die Marke trägt Vergangenheit. Das Fahrzeug tut es jetzt auch. Und genau darin liegt seine Zukunft.

Warum BMW und PreZero zeigen, wie sich das Automobil gerade grundlegend neu definiert

Von Christian Elvers

Kerosin wird knapp. So lautet jedenfalls die neueste Erzählung. Wieder einmal. Und wieder einmal scheint sie erstaunlich gut zu funktionieren. Denn Knappheit ist ein starkes Narrativ, sie erzeugt Aufmerksamkeit und rechtfertigt Wucherpreise. Sie ist das vielleicht wirksamste Geschäftsmodell unserer Zeit.

Dabei ist die Lage, nüchtern betrachtet, widersprüchlicher als behauptet. Der Blick richtet sich derzeit auf die Straße von Hormus – jenes geopolitische Nadelöhr, durch das ein nicht unerheblicher Teil der globalen Ölströme fließt. Aktuell passieren dort kaum Tanker, die Verunsicherung ist entsprechend groß. Und doch lohnt die Einordnung: Selbst diese neuralgische Passage steht „nur“ für rund 20 Prozent der internationalen Öltransportlogistik.

Und dennoch entsteht der Eindruck eines umfassenden Mangels. Warum? Weil Knappheit längst nicht mehr nur physisch ist. Sie wird produziert – durch Erwartungen, durch Unsicherheiten, durch ein System, das aus jedem Risiko eine Renditechance macht.

Ein Teil der Erklärung liegt in der jüngeren Vergangenheit. Während der Corona-Pandemie brach der Flugverkehr nahezu vollständig ein. Kerosin wurde zum Ladenhüter, Raffinerien fuhren Kapazitäten herunter oder stellten ihre Produktion auf andere Produkte um. Was damals betriebswirtschaftlich rational war, wirkt heute nach. Denn als die Nachfrage überraschend schnell zurückkehrte, war die Infrastruktur nicht mehr im gleichen Maße vorhanden. Knappheit ist in diesem Sinne auch ein Echo der Krise – ein verzögertes Ergebnis jener globalen Vollbremsung.

Der eigentliche Engpass liegt also woanders. Nicht im Rohstoff, sondern in der Struktur. In zu wenigen Raffinerien, in verschobenen Prioritäten, in einer Nachfrage, die schneller zurückkehrt als das Angebot reagieren kann. Und ja, auch in Märkten, die diese Lage nicht nur abbilden, sondern verstärken.

Die Ökonomie der Knappheit

Von Christian Elvers

Denn wo Unsicherheit ist, entsteht Spekulation – und wo Spekulation ist, wächst die Dynamik der Preise oft stärker als die reale Knappheit.

Doch während wir über diese Knappheit diskutieren, übersehen wir eine andere – eine, die schwerer wiegt. Denn es fehlt nicht an Alternativen. Technologien für nachhaltige Flugkraftstoffe sind vorhanden, erprobt, skalierbar. Insbesondere die Hydrierung biogener Öle und Reststoffe (HVO) liefert verfahrensbedingt neben erneuerbarem Diesel auch relevante Kerosinfraktionen – typischerweise rund 25 Prozent. Ein Anteil, der sich bei entsprechendem Anlagenhochlauf, optimierter Verfahrensführung und politischem Rahmen auch gezielt steigern ließe. Aus biogenen Reststoffen könnten so heute bereits signifikante Mengen nachhaltigen Flugkraftstoffs entstehen. Es fehlt nicht am Molekül.

Was fehlt, ist der Wille.

Vielleicht ist das eigentliche Problem also nicht die Knappheit von Kerosin, sondern die Attraktivität seiner Knappheit. Solange sich mit fossilem Mangel besser verdienen lässt als mit nachhaltigen Alternativen, bleibt jede Krise verdächtig bequem. Die Märkte handeln nicht nur mit Energie, sondern mit Erwartungen – und Knappheit ist ihr schärfstes Instrument.

So entsteht ein eigentümlicher Zustand: Die physische Verfügbarkeit ist angespannt, aber nicht erschöpft. Die politische Debatte ist laut, aber nicht entschlossen. Und die technologischen Lösungen liegen bereit, werden aber nicht mit der notwendigen Konsequenz umgesetzt.

Am Ende ist die Knappheit, über die wir sprechen, womöglich die falsche. Nicht Treibstoff ist wirklich rar. Sondern Entschlossenheit. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Leerstelle dieser Geschichte. Wobei der Begriff Lehrstelle ebenso zutrifft.

Ein globales Nadelöhr, überhitzte Märkte – und eine Lösung, die niemand ernsthaft vorantreibt

Von Christian Elvers

Die Sache mit der Gerechtigkeit hat in Deutschland eine eigene Maßeinheit: den Literpreis. Steigt er, steigt auch das Bedürfnis nach politischer Pädagogik – vorzugsweise finanziert von denen, die gerade verdienen. Wenn Mineralölkonzerne Rekordgewinne melden, während der Bürger an der Zapfsäule kurz überlegt, ob er wirklich zur Arbeit fahren muss, wirkt die Übergewinnsteuer wie ein Akt kollektiver Selbstverteidigung. Endlich zahlt mal jemand anderes.

Nun ist das Steuerrecht leider kein moralischer Wunschzettel. Es interessiert sich nicht dafür, ob ein Gewinn sympathisch ist, sondern nur dafür, ob er existiert. Wer verdient, wird besteuert – unabhängig davon, ob er dabei geschniegelt, skrupellos oder einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Juristisch ist das sauber. Emotional ungefähr so befriedigend wie ein leerer Tank an der Autobahnraststätte.

Und doch bleibt dieses hartnäckige Misstrauen. Denn das Vertrauen in Ölkonzerne bewegt sich ungefähr auf dem Niveau von Klavierweitwurf. Man weiß nicht genau, was schief läuft – aber dass alles ganz natürlich und fair zugeht, glaubt man auch nicht. Märkte, so lernt man, regeln vieles. Nur leider oft nicht im Sinne derer, die sie bezahlen.

Die Politik steht damit vor einer heiklen Aufgabe: Sie soll ein Gefühl von „Das kann doch nicht sein“ in ein Gesetz übersetzen, das vor dem Grundgesetz nicht sofort Schnappatmung bekommt. Warum nur diese Branche? Warum nicht auch andere Krisengewinner? Und ab wann ist ein „Übergewinn“ eigentlich mehr als nur ein politisch schlecht gelaunter Gewinn?

Die Übergewinnsteuer ist damit weniger ein Instrument als ein Balanceakt. Sie soll gerecht wirken, ohne willkürlich zu sein; spürbar treffen, ohne gleich als verkappte Enteignung durchzugehen. Ein bisschen wie Autofahren mit fast leerem Tank: Man kommt vielleicht noch an – aber entspannt geht anders.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sich Empörung leichter formulieren lässt als Gesetze. Und dass zwischen dem, was sich richtig anfühlt, und dem, was rechtlich hält, ein Abstand liegt, den man nicht einfach mit guter Laune überbrückt. Oder anders gesagt: Der Preis für Gerechtigkeit ist hoch – wird aber nicht an der Zapfsäule angezeigt.

Zwischen Zapfsäule

und Grundgesetz

Gedanken zur Übergewinnsteuer von Christian Elvers

Von Christian Elvers

Während das Trump-Debakel in der Straße von Hormus weiter die Kassen der Krisenspekulanten füllt, liefert die Bundesregierung den nächsten energiepolitischen Blindgänger ab.

Nach der schon in Österreich kläglich gescheiterten Idee, Preissteigerungen an Tankstellen auf „einmal täglich“ zu begrenzen, folgt nun der nächste Versuch politischer Beruhigung: 17 Cent weniger Energiesteuer – befristet auf zwei Monate. Klingt nach Entlastung, ist aber vor allem eines: ein teures Experiment auf Kosten der Steuerzahler.

Denn während in Berlin noch an die segensreiche Wirkung des Marktes geglaubt wird, hat dieser längst geliefert – allerdings nicht im Sinne der Verbraucher. Diesel, trotz deutlich niedrigerer Steuer (rund 47 Cent gegenüber etwa 65 Cent bei Benzin), liegt seit Wochen über dem Preis von E10. Nicht aus Versehen, sondern weil es geht.

Die Annahme, Mineralölkonzerne würden staatlich gewährte Spielräume freiwillig an Kunden weiterreichen, ist kein Optimismus mehr – das ist Realitätsverweigerung. Was möglich ist, wird abgeschöpft. Punkt.

Am Ende bleibt ein bekanntes Muster: Der Staat verzichtet auf Einnahmen, die Preise bleiben hoch – und die Differenz verschwindet irgendwo zwischen Raffinerie und Zapfsäule.

Und dann sitzen sie wieder in den Talkshows, heben ratlos die Augenbrauen und fragen sich, wie es nur zu weiteren Wählerabwanderungen kommen konnte. Als hätte das alles nichts miteinander zu tun.

17 Cent Illusion –

der nächste Rohrkrepierer?

Von Christian Elvers

Öffentliche Förderprogramme sind heute anspruchsvoller denn je. Technologisch komplex, politisch sensibel und wirtschaftlich von hoher Relevanz.

Und sie haben sich weiterentwickelt. Kommunikation ist längst kein Randthema mehr. Sie wird eingeplant, gefordert und teilweise sogar systematisch gefördert. Und dennoch bleibt ihr Potenzial häufig ungenutzt.

Nicht, weil sie fehlt. Sondern weil sie nicht konsequent wirksam gedacht wird.

In vielen Programmen wird Kommunikation als begleitende Maßnahme verstanden – nicht als integraler Bestandteil der Umsetzung. Sie beginnt zu spät, bleibt zu abstrakt und erreicht die relevanten Zielgruppen nur eingeschränkt.

Gerade bei komplexen Vorhaben entsteht so eine Lücke: zwischen dem, was fachlich richtig ist, und dem, was tatsächlich verstanden und akzeptiert wird.

Die Folgen sind bekannt – wenn auch selten eindeutig zugeordnet:
Verzögerungen, Rückfragen, Widerstände. Nicht aufgrund technischer Defizite, sondern aufgrund fehlender Anschlussfähigkeit.

Dabei entscheidet Kommunikation gerade in öffentlich geförderten Projekten über mehr als nur Wahrnehmung. Sie beeinflusst Tempo, Akzeptanz und letztlich auch die wirtschaftliche Effizienz.

Wo Inhalte verständlich und anschlussfähig vermittelt werden,
steigen die Chancen, dass aus geförderten Projekten industrielle Anwendungen entstehen. Innovation entfaltet ihre wirtschaftliche Wirkung nicht im Labor – sondern dort, wo sie verstanden, eingeordnet und weiterentwickelt wird.

Wer Kommunikation lediglich „mitdenkt“, unterschätzt daher nicht nur ihre Wirkung, sondern auch ihr Potenzial für nachhaltige Wertschöpfung. Entscheidend ist, sie von Beginn an als strategischen Bestandteil zu verankern: klar in der Zielsetzung, präzise in der Ansprache und anschlussfähig für unterschiedliche Perspektiven.

Denn erfolgreiche Umsetzung entsteht nicht allein durch Förderung. Sondern durch Verständlichkeit.

Das unterschätzte Potenzial strategischer Kommunikation in Förderprogrammen